Taktikhistorie

Seit es Fußball gibt, existieren auch die verschiedensten Taktikzüge und Aufstellungen. Schließlich bedarf es neben einer guten Mannschaft auch einer ausgetüftelten Strategie, um Siege zu erzielen. Verantwortlich für die Aufstellung der Spieler war früher und ist auch heute noch der Trainer. Er entscheidet, wer auf welcher Position spielt und wie die gesamte taktische Auslegung der Mannschaft aussehen soll. Je nach Gegner und gegebenen Umständen (Verletzungen, Sperren) entwickelt der Coach eine individuelle Spielstrategie. Eine herausragende Bedeutung hat die Fußballtaktik natürlich bei Weltmeisterschaften und anderen großen Turnieren.

Die Taktik zeigt seit der Weltmeisterschaft 1954 deutliche Entwicklungen

Setzte man 1954 noch auf eine 3-4-3 Aufstellung mit zwei defensiven und zwei offensiven Mittelfeldspielern, deren Positionen einen recht starren Charakter hatten, so wurde 1958 von den Brasilianern erstmals ein 4-2-4 und 4-3-3 System bevorzugt, bei dem die einzelnen Spieler mehrer Aufgaben übernahmen. Vier Jahre später kam es zur Einführung des Liberos und die Bezeichnung „Mauertaktik“ fand ihren Weg in die Geschichtsbücher.

Die Jahre 1966 und 1970 waren geprägt von athletischem Tempofußball, bei dem das Mittelfeld und die Abwehr Offensiv- und Defensivaufgaben übernahmen. Zudem kam es zur Einführung der Raumdeckung, wodurch der Fußball technisch immer hochwertiger wurde. Man erkannte, dass eine gut durchdachte Spieltaktik unabdingbar ist und setzte großen Wert darauf. Im Jahr des zweiten deutschen WM-Titels setzten mehrere Mannschaften auf eine 4-3-3 Aufstellung mit einem Libero, wodurch ein schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff realisiert werden konnte. Auch das besonders starke Flügelspiel begann sich zu etablieren.

Die Fußballtaktik bekam langsam ein Gesicht

Immer feinfühliger wurde die Abstimmung der Mannschaft. 1982 kristallisierten sich so klare Elemente heraus. So ist die Abwehr durch ein personell verstärktes Mittelfeld kompakter geworden wodurch sich auch Angriffe leichtern durchführen ließen. Anstelle der typischen Angriffsspitzen drangen vermehrt Mittelfeldspieler hervor und erzielten die Tore. Hatte der Gegner den Ball, so orientierte sich die gesamte Mannschaft nach hinten, um die Abwehr zu unterstützen. Dadurch konnten die Anzahl an Freiräumen und Torchancen des Gegners geschickt minimiert werden.

Die verstärkte Interaktion des gesamten Teams setzte sich auch im Jahr 1990 fort, welches von der 4-4-2 Taktik mit Libero und ballorientierter Raumdeckung dominiert wurde. Die darauffolgenden Jahre brachten die Viererkette ohne Libero und den Sechser im Mittelfeld hervor. Als Konsequenz gewann der Taktikbaustein des Mittelfeldpressings deutlich mehr an Bedeutung. 2006 spielten erste Mannschaften in einer 4-5-1 Aufstellung, welche 2010 von fast allen Teams bevorzugt wurde. Sie gilt als das Mustersystems des modernen Fußballs.

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